September 14, 2021

Franz Kraus – Fet a sóller

Heute sprechen wir mit Franz Kraus. Er ist vor fast 30 Jahren auf die Insel gekommen und aus dem Manager-Hamsterrad ausgestiegen, damit er zukünftig frei seine Entscheidungen treffen und selbstbestimmt die Zukunft planen kann. Der Anspruch ein eigenständiger Unternehmer zu sein wurde 1994 mit „Sa Fabrica de Gelats“ umgesetzt. 1996 wurde die zweite Firma „Fet a soller“ gegründet, dessen Angebot sich Stück für Stück erweiterte.

Hallo Herr Kraus, zuerst einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und uns heute von der beeindruckenden Firmengeschichte erzählen.

Sehr gerne, es freut mich sie zu begrüßen und bin auf die Fragen gespannt.

Perfekt, dann steigen wir sofort in unser heutiges Thema ein. Wir haben uns dazu ein paar Fragen herausgesucht, die eine gute Übersicht für alle interessierten Neugründer bieten.

Wie ist die Idee gereift, die Unternehmen „Sa Fabrica de Gelats“ und „Fet a Sóller“ zu gründen?

Nach meinem Ausstieg kam der Punkt, an dem ich mir Gedanken über meine zukünftige Aufgabe gemacht habe. Wie könnte ich meinen Anspruch als Unternehmer umsetzen und in welcher Branche? Dabei dachte ich zurück an die Zeit als ich mit dem Namen Francesco in einer italienischen Eisdiele gearbeitet habe und die Idee zur „Sa Fabrica de Gelats“, die Eisfabrik war geboren. Recht bald danach wurde das Geschäft ausgeweitet, und da ich in der Lebensmittelbranche gelernt habe, sollte es ein Unternehmen sein, das Lebensmittel herstellt und vermarktet. Dies sollten Lebensmittel sein, die meiner Auffassung nach Natürlichkeit entsprechen und das Leben des Menschen nicht verkürzen.

Wie viele Mitarbeiter sind heute in ihren Unternehmen beschäftigt?

Nachdem wir anfangs zu zweit gestartet sind, meine Frau und ich, sind aktuell ca. 80 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt. Die Mitarbeiter sind in den Stammunternehmen beschäftigt, zusätzlich haben wir eine Kooperation mit der Behindertenwerkstatt „Estel Nou“. Dies ist für mich eine Herzensangelegenheit und hier erhalten ca. 90 körper- und geistigbehinderte Menschen eine Aufgabe entsprechend ihrem Talent.

Wie wählen Sie die Produkte und Zulieferer aus?

Jedes Lebensmittel ist eine regionale Kompetenz. Der Norddeutsche isst anders als der Süddeutsche, der Nordspanier isst anders als der Mallorquiner und wir beschäftigen uns mit der Mittelmeerküche, weil die Mittelmeerküche der Anfang einer gesunden Ernährung ist. Wir nutzen daher regionale Produkte, weil hier zum Beispiel die Transportkosten gering sind und wir natürlich den hier vor Ort lebenden Menschen eine Arbeit geben. Zugleich setzen wir ausschließlich auf natürliche Lebensmittel, weil wir unseren Kunden vermitteln möchten, dass diese natürlichen Produkte ein Mittel zum Leben sind und unsere Gesundheit fördern. Ein weiterer Punkt ist, dass ich aus einer ländlichen Gegend komme und dort gelernt habe, daß einer nicht alles schaffen kann und zugleich der Stärkere den Schwächeren unterstützt. Dies zeigt sich beispielsweise in der Zusammenarbeit mit „Estel Nou“, dort hat jeder sein Talent und bekommt eine Aufgabe nach seinen Möglichkeiten, um damit das persönliche Wertgefühl zu steigern.

Wie wichtig waren „richtige Kontakte“?

Ich möchte nicht von richtigen Kontakten sprechen, sondern für mich war es wichtig, als unbekannter Mensch, der nach Mallorca gekommen ist, Vertrauen aufzubauen. Die Unterstützung von anderen kommt dann, wenn das Sagen und Handeln kohärent sind und sie gezeigt haben, dass sie fair und ehrlich sind.

Hat der Ort für Sie eine Rolle gespielt und versenden sie aus einem eigenen Lager?

Ich hatte das Glück, früh die Welt kennen lernen zu dürfen. Als ich nach Sóller kam, hatte ich sofort das Gefühl „es gibt wenig Orte, die so schön sind“ und es gibt hier zugleich Strand, Land, Berge und ist fernab vom Trubel. So fiel die Entscheidung des Ortes aus rein „egoistischen“ Gründen, weil wir uns hier wohlfühlen. Unsere Produkte werden aus unserem Lager versendet, wobei wir auch einen Stützpunkt in Neuwied, meinem Geburtsort, haben und für Deutschland die Sachen aus Neuwied versendet werden.

Was waren die größten Hürden bei dem Start in die Selbständigkeit?

Die Hürden kann ich alle gar nicht beschreiben, da würde ich bis Morgen mit Ihnen hier reden. Vielleicht war es der Punkt das Mindset zu ändern, daß wir uns mit dem Anfangsprodukt Eis für etwas entschieden haben, das eigentlich kein Mensch braucht und bei unserem Ziel zu bleiben. Eiscreme ist natürlich ein vollkommen unwichtiges Produkt, aber es macht glücklich. Zusätzlich auch der Punkt, das Eis an die Saison des Tourismus gebunden und somit im Winter kaum Umsatz vorhanden ist. Aus diesem Grunde wurde auch die Firma „Fet a Sóller“ gegründet, um von dem saisonalen Geschäft unabhängig zu werden.

Wie haben Sie es am Beginn geschafft, bekannt zu werden?

Wir haben am Anfang Werbekampagnen geschaltet auf kleinem Niveau, entsprechend unseren Möglichkeiten, in denen die Zielgruppe unserer Kunden vertreten war. Dies konnten Flyer sein oder auch Zeitungsanzeigen, da die Medien noch nicht so präsent waren wie heute.

Was würden Sie in der Gründungsphase rückblickend anders machen?

Ich bin kein Mensch, der der Vergangenheit hinterherhängt oder „Hätte-hätte-Fahrradkette“, sondern treffe die Entscheidungen, die zu dem Zeitpunkt richtig sind. Das bedeutet immer, das eigene Handeln zu hinterfragen, aus Fehlern zu lernen und die Verantwortung zu übernehmen.

Welche wichtige Empfehlung oder welchen Tipp würden Sie anderen Gründern geben?

Ich komme aus einer Unternehmerfamilie und habe gelernt, das Disziplin der Schlüssel zu allem ist und, wie ich schon gesagt hatte, sich selbst zu hinterfragen. Vielleicht ein Punkt würde ich jedem Neustarter mitgeben, es ist schnell etwas gesagt, aber es ist wichtig, dies auch mit Taten zu füllen.

Vielen Dank Herr Kraus, das war auch schon die letzte Frage. Wir bedanken uns für das inspirierende Gespräch mit Ihnen, das viele Einblicke für Neugründer bietet und zeigt, welche Möglichkeiten es gibt.

Sehr gerne Herr Tascheit, es freut mich, wenn ich mit meiner Erfahrung unterstützen kann und vielleicht jemanden bei der Gründung seines Unternehmens damit wertvolle Tipps geben kann.

Für alle Interessenten, die neugierig geworden sind, hier noch der direkte Link zu „Fet a Sóller“, einem Unternehmen, was natürliche Lebensmittel herstellt und dabei beispielhaft mit seinem sozialen Engagement ist.

> Fet a Sóller <

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