Oktober 28, 2021

Wie bio ist Bioplastik?

Bio-Kunststoffe für Kosmetikverpackungen: Sinnvoll oder Greenwashing?

Große Verwirrung herrscht nach wie vor beim Thema Bio-Kunststoffe.

Der Konsument denkt BIO bedeutet Produkte aus Biolandbau (Ökologischer Landbau). In Wissenschaft und Technik meint man mit BIO aus biologischen Systemen, also aus Pflanzen hergestellt, im Gegensatz von z. B. Erdöl oder Erdgas hergestelltem Kunststoff. Besser ist die Bezeichnung ’Green’ für Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, also z. B. Green-PE für Polyethylene aus Zuckerrohr. Zusätzliche Verwirrung: Kompostierbare Abfallsäcke werden auch als Bio-Plastik bezeichnet, obwohl sie oft nur zu 10 – 40 % aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Doch dazu mehr am Ende des Beitrags.

Bildquelle unbekannt

Sind Kosmetikverpackungen aus Bio-Kunststoffen biologisch abbaubar bzw. kompostierbar?

Üblicherweise nicht, weil sie müssen ja das Produkt lange beinhalten. Biologisch abbaubare Verpackungen von Shampoos und Lotionen würden sich schon bei der Lagerung auflösen.

Was unterscheidet Green-PE (PE = Polyethylen) wie es z. B. RINGANA für zahlreiche Produkte einsetzt von herkömmlichem petrochemischen Polyethylen?

– Herstellung Petrochemisches-PE: Erdöl oder Erdgas —> Ethylen —> Polyethylen (PE)
– Herstellung Grünes-PE: Zuckerrohr—> Ethanol (Alkohol) —> Ethylen —> Polyethylen (PE)

Das Ergebnis (Polyethylen) ist immer das selbe, nur einmal aus Erdgas hergestellt und einmal aus nachwachsendem Zuckerrohr.

Was passiert nach dem Gebrauch?

Green-PE wird wie petrochemisches-PE in die Abfalltonnen für Kunststoffe gegeben und kann zu 100 % recycelt werden oder der Müllverbrennung zugeführt werden, wodurch wieder Energie gewonnen wird. Welche Methode verwendet wird, hängt von der Recyclingstrategie der jeweiligen Kommune ab.

Bringt die Verwendung von Green-PE Vorteile für Klima und Umwelt oder handelt es sich bloß um Greenwashing?

Unter Greenwashing versteht man das Vortäuschen von Vorteilen, um Konsumenten das Gefühl zu geben, etwas positives für die Umwelt zu machen. Der  Umweltvorteil von Green-PE ist, dass es 2,15 Kilogramm CO2 pro produziertem Kilogramm aus der Atmosphäre bindet und dass 80 % des Energieverbrauchs zu Herstellung aus erneuerbaren Quellen stammt und sich somit auf Klima und Umwelt positiv auswirkt. Diese Daten basieren auf einer Studie mit Unterstützung von auf Life Cycle Analysis (LCA= Ökobilanz) spezialisierten Beratungsunternehmen. Die Ökobilanz wurde in Übereinstimmung mit dem ISO 14040 -Standard ABNT durchgeführt und von einer Gruppe von Spezialisten überwacht und validiert.

Studie zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung durch Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

Zusammenfassung:
Kosmetikverpackungen aus Green-PE bestehen zu hundert Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, haben die selben Eigenschaften wie herkömmliche Verpackungen aus Polyethylene, schützen aber Klima und Umwelt, weil bei der Herstellung kein Erdöl oder Erdgas verwendet wird. Sie sind nicht biologisch abbaubar, können aber zu 100 % recycelt, also wieder zu Polyethylen-Verpackungen verarbeitet werden bzw. klimaneutral verbrannt und in saubere Energie aus nachwachsender Energiequelle umgewandelt werden. Entsorgung über die Kunststofftonne und NICHT über die Biotonne.

“Bio-Kunstofftüten“ also kompostierbare Obstsäcke im Supermarkt:
Diese haben oft keine besonders gute Ökobilanz, weil sie teilweise nur 10 – 40 % aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen; der Rest ist erdölbasierter Kunststoff und sie sind auch oft nur nach langer Zeit und bei sehr hohen Temperaturen kompostierbar, warum sie meist aus dem Bio-Müll aussortiert und mit dem Restmüll verbrannt werden. Das Problem mit der nicht funktionierenden Kompostierbarkeit hat man aber bereits gelöst und seit neuestem gibt es diese Plastiksäcke bei den Märkten der Rewe Gruppe (https://www.leadersnet.at/news/37966,raus-aus-plastik-plastik-sackerln-bei-rewe-ab-dem.html). Ob und wie viel petrochemischer Kunststoff in diesen Kunststofftüten steckt, hab ich noch nicht herausgefunden, aber empfehlenswert sind solche Einwegtüten alleine schon wegen des hohen Energiebedarfs bei der Herstellung in der kurzen Nutzungsdauer sowieso nicht.

(Ausführung von Uwe Brandweiner)

Unsere Empfehlung: Besser auf  Einwegprodukte verzichten und eine dickere, stabilere Stofftasche zum Einkauf mitnehmen und so oft wie möglich wiederverwenden.

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